Kinder Unserer Zeit – Kolumne Teil 1 – ein Anfang

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In dieser ersten Kolumne gibt es ist keine Story – es geht eher um Kombinationen von subjektivem Gedanken, die sich in Gefühlen ausdrücken und als Sätze manifestieren. Puh! Kompliziert ausgedrückt? Ich gebe es zu – und darum soll es bei Kinder Unserer Zeit auch nicht um mich gehen, sondern um verschiedene Gastautoren, die ihre eigene Sichtweise in eigenen Worten wieder geben. So finden sich vielleicht Denkansätze oder Denkanstöße wieder, mit denen sich die Kinder Unserer Zeit identifizieren können und von denen es möglicherweise sogar einige weiter führen – als Gespräch, Blog oder als Plattform.

Die Kolumne Kinder Unserer Zeit entsteht quasi durch Gespräche unter Freunden, zwischen Kollegen, mit Bekannten und durch genau das, was wir erleben, denken und fühlen. Und wenn wir da auf ein paar Konstanten treffen, die unsere Lehrer, Eltern oder älteren Chefs nicht verstehen und die unsere Kinder vielleicht / hoffentlich konfliktfrei verinnerlichen und ihren eigenen Sinn daraus machen, dann sind das Eigenheiten im Denken, Fühlen und Verstehen, die uns zu Kindern Unserer Zeit machen.

Kinder unserer Zeit: Im Wohlstand geboren und von Eltern aufgezogen, für die es nicht selbstverständlich war, ihren Weg zum Erfolg zu gehen – aber die es oft aus dem nichts zu genau dem erwünschten Erfolg und Wohlstand gebracht haben. Und die sich vermutlich für ihre Kinder nichts mehr wünschen, als dass es selbstverständlich ist, dass sie selbst es „zu etwas“ bringen und damit glücklich werden.

Und irgendwie geht es tatsächlich sogar viel um die Erwartungen der Eltern, den Weg, der vorausgeebnet oder angedacht wurde. Und dann darum, wie alle Erwartungen nicht ganz der Realität entsprechen sollten, obwohl es objektiv keinen ernsten Grund zur Aufruhr gäbe. Eher ein „Leiden auf hohem Niveau“. Dieses Unbehagen aufgrund von Erwartungen an ein Berufsumfeld, bei dem wir irgendwann nach einigen Jahren der Berufserfahrung dachten, wir kommen da noch hin, die Erwartungen werden sich noch erfüllen. Und dann merkten wir, nein, wir kommen da nicht noch hin, sondern wir sind mittendrin. That’s it. Aber irgendwie fühlte es sich anders an als suggeriert. Und warum? Was ist verkehrt? Und wieso ist der Erfolg so eng mit dem Glück verknüpft. Oder ist er es vielleicht nicht? Sondern ist er es nur von außen, und setzt uns das in Zwang, das eine mit dem anderen (erfolgreich) verknüpfen zu müssen?

Und warum sind wir 25 bis 35 Jahre nach dem Kind sein immer noch nicht angekommen? Warum haben wir uns noch immer nicht selbst gefunden – autark und zu dem stehend, der wir sind? Möglicherweise, weil wir gelernt haben, das zu sein, was wir tun.

Und ich wage anzunehmen, dass hier sogar einer der zentralen Unterschiede zu vorigen Generationen liegt: Wir haben gelernt, das zu sein oder zu werden, was wir machen. Machen im Sinne eines Berufs. Beispielsweise ist eine der small talk Fragen „was machst du?“ immer mit einer Antwort zu einem bestimmten Beruf verknüpft, die uns den Gegenüber scheinbar besser einordnen lässt. Oder ein anderes Beispiel – bei früheren Generationen stand öfter auf dem Grabstein der Beruf, der etwas über die Person und deren Ansehen aussagte, wie Rechtsanwältin, Arzt oder Bauherr.

Aber genau diese Identifizierung der Persönlichkeit mit dem Beruf ist für viele Kinder Unserer Zeit problematisch, denn auf einmal mögen wir aber das, was wir (beruflich) tun gar nicht mehr. Oder wir finden, es hat nicht viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun.

Und um hier ein kleines Zwischenfazit zu ziehen und zum vorläufigen Ende zu kommen: Es gilt, etwas zu finden, dass die Persönlichkeit und die Finanzierung des Lebensunterhaltes miteinander in einen authentischen Einklang bringt. Das ist zwar keine neue Einsicht aber der Weg dahin ist doch neu. Natürlich stellt sich dann gleich die nächste Frage: Warum tun wir uns so schwer damit, das Richtige dann zu finden? Aber das soll Thema einer weiteren Kolumne sein.

Erst einmal ist sicher, dass die Suche nach “dem richtigen beruflichen Schaffen” eine echte Herausforderung ist, aber ich bin mir sicher, dass sie sich am Ende lohnen wird.

Vielleicht kann dann doch ein Zusatz auf meinem Grabstein stehen. Aber der müsste dann doch eher lauten komplizierter Mensch, mit sehr unterschiedlichen Facetten. Aber meine Kinder werden dazu natürlich wieder ihre ganz andere eigene Meinung haben…

Artikel: Mia Morris

Bist Du ein Kind Unserer Zeit? Oder hast Du eine Meinung zu der Thematik? Kritik? Lob? Gelabber? Mail mir an mia@indierepublik.com…