Rezension: Klaus Märkert – Schatten Voraus

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Mist, dachte ich, nu hab ich Depp mal wieder gesagt, dass ich eine Rezension schreibe. Dabei hab ich keine Zeit. Ist doch alles Stress. Und Lust hab ich auch nicht. Und von dem Autor hab ich auch noch nie gehört. Was das wohl wieder für einer ist … Dann eben auf der nächsten Zugfahrt von Karlsruhe nach Mainz, dachte ich, Reisezeit nutzen und so. Wird schon.

Also fing ich an, mit Bier und Kippen, weil der Zug natürlich Verspätung hatte und ich am Bahnhof festsaß.

Besser kann man nicht festsitzen, dachte ich schließlich, nach etwa vier Seiten – Bier, Kippen, Märkert. Die Einfahrt des Zuges kam deutlich später als erwartet, aber das war inzwischen gleichgültig. Unterwegs standen wir nochmals dämlich in der Gegend herum, aber das war ebenso gleichgültig. Schlussendlich erreichte ich mein Ziel und war fast ein bisschen traurig, hatte ich doch noch Seiten übrig.
Es gab also mehr Kippen und Bier, dieses Mal am Bahnhof Mainz, um das Buch beenden zu können.

Eindeutige Empfehlung!

Der Erzähler Clark Kind zieht in das geheimnisvolle Grauhaus, weil um die Ecke die nicht minder geheimnisvolle, von Clark angehimmelte Roxanne wohnt. Die skurilen Nachbarn stellen Clark von Anfang an vor immer größer werdende Rätsel, deren Lösung auch der Leser rasch herbeisehnt. Dann aber auch wieder nicht. Wer braucht schon Auflösungen, wenn er solche Dialoge bekommt:

»Schau mal dort«, sagte ich zu Roy, »ein Fuß.«
»Nach der Zehenstellung zu urteilen ein linker Fuß«, sagte Roy.
Ich fand seine Antwort beinahe so befremdlich wie die Sache selbst, wollte es damit jedoch nicht bewenden lassen und sagte: »Meinst du, er ist schon lange ab?«
Roy erhob sich aus seinem Sessel, bewegte sich zur Schrankwand, nahm den Fuß aus der Vase, von dem eine Flüssigkeit auf den Boden tropfte, roch an dem Fuß wie ein Spürhund und sagte: »Vielleicht ein oder zwei Wochen.«

Klingt wirr? Ist es auch – aber auf gute Art, auf künstlerisch-sprachgewaltig-witzige Art.

»Schatten voraus« ist ein Kurzroman, den man in einer einzigen, fieberhaften Sitzung liest, verschlingt, genießt. Mit Kippen und Bier. Und am besten auch mit Musik, denn Musik spielt bei Märkert eine große Rolle. Kein Wunder, ist er doch seines Zeichens DJ und Mitbegründer des Bochumer Dark-Wave-Clubs »Zwischenfall«. Zum Glück ist er aber auch Schriftsteller, Erfinder des »Nachthumors« und Autor zahlreicher Kurzgeschichten dieses schrägen Genres.

Hoffen wir, dass der noch ganz junge eygennutz Verlag in dieser Richtung und mit dieser Qualität weitermacht!

Homepage Autor: www.klaus-maerkert.de
Homepage Verlag: http://www.eygennutz-verlag.de/
Und noch mehr über den Autor findet man im Schwarzen Salon

Rezension von Simona Turini, Autorin von “Kopf hoch”, sagte der Silberfisch in meiner Badewanne