Lonski and Classen im indieberlin Interview und morgen Abend live in der Volksbühne

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Es ist so weit und es wird ein großes Heimspiel für die bei

den Jungs von Lonski and Classen. Morgen Abend – Sonntag 9.3. – Berlin’s indieste Band feiert die Veröffentlichung ihres neuen Albums “Let Sun Grow” in der Volksbühne. Wir haben Lukas Lonski und Felix Classen vorab getroffen und ihnen ein paar Fragen gestellt. 

ib: Wann habt ihr gemerkt, dass Musik nicht nur ein Hobby für euch sein wird? Erinnert ihr euch, wann da ein Wendepunkt war? L&C: Wir haben Musik nie als Hobby verstanden. Das erste Mal Musik zu machen war schon magisch genug, das das Wort Hobby irgendwie nicht verdient hätte. Wahrscheinlich wäre es schrecklich diese erste Musik jetzt zu hören, aber immerhin ist da eine Tür aufgegangen, die nicht wieder schließen will.

ib: Wie hat sich eure Musik in den Jahren / mit den Alben verändert würdet ihr sagen? L&C: Unsere EP „Lonski & Classen“ wurde nicht zu unrecht als Folktronika bezeichnet, es sind außergewöhnliche Stücke mit Samples und Loops die sich vorsichtig, fast zärtlich voran tasten aber trotzdem experimentell sind – Lukas’ Gesang ist noch zurückhaltender als heute. Bei „Climbing on Branches“ geht es hauptsächlich um Lieder, die mit Gitarre und Schlagzeug erzählt werden. Wir hatten die Loopstation aus unserem Repertoire gestrichen und das „live“ Element wurde ein zentraler Punkt. Darauf folgte passenderweise die lange Tour mit Yann Tiersen bei der wir dieses live Spiel vor vielen tausend Menschen erleben konnten. Und bald gibt es unser neues Album „All Tomorrow Is Illusion“ – wie das klingt solltet ihr lieber selbst herausfinden.

ib: Ihr wart viel auf Tour und habt auch mit dem Goethe-Institut gespielt? Wie war das eine Art German Musical Ambassador zu sein? L&C: In Japan zu spielen war das exotischste, was wir auf Tour erlebt haben. Deutsch haben wir uns weder vorher noch nachher gefühlt.

ib: Habt ihr ein Publikums-Favorit aus einem bestimmten Land? L&C: Es kommt nicht auf das Land an. Viel wichtiger ist, dass die Leute aufgeschlossen sind und nicht irgendetwas vorgefertigtes erwarten. Den Instant-Musik-Hörer würden wir enttäuschen. Wir glauben, dass in unserer Musik etwas sehr lebendiges steckt, wo vor wir großen Respekt haben, weil es sich nicht so anfühlt als sei das nur eine Kreation zweier Egos und wir glauben, dass das so gut wie überall mit Freude verstanden werden kann.

ib: Was macht das Berliner Publikum für euch besonders / was zeichnet es aus? L&C: Es sind viele Freunde dabei. Einerseits macht uns das deshalb in einer bestimmten Art und Weise aufgeregter, anderseits wissen wir, dass da so viele gute Leute uns zuhören. Es gibt einige Songs die auf das Berliner Publikum anspielen, deshalb würden wir sagen, dass es ein wichtiges Publikum ist.

ib: Wer sind eure musikalischen Vorbilder? L&C: Wenn Lonski sich zwischen Freddie Mercury und Prince entscheiden müsste, wäre es Freddie oder György Ligeti, ein sehr kluger und witziger Mann oder das Radio. Classen ist da radikaler, er kennt in dem Sinne keine Vorbilder und das macht er ganz bewusst. Das ist keine schlechte Strategie, weil er keinen Ballast mit sich schleppt und für den Augenblick, den “richtigen” gewappnet ist und schon lange da ist, während ein anderer noch in seinen “Repertoire” sucht. Und manchmal geht es sehr sehr schnell, auch wenn man das unserer Musik eher nicht anhört.

ib: Ein Leben ohne Musik wäre für euch wie: L&C: Ein Leben ohne Musik.

ib: Das beste Konzert eures Lebens war: Lonski: ich würde sehr gerne die Zeit anhalten können und zuschauen wollen, wie die Welt dann so ist. Ich mag aber auch die letzte Szene in dem Film “Melancholia”, wo dieser schöne Planet auf die Erde prallt.

ib: Für die Aufnahmen zum letzten Album habt Ihr ein Haus außerhalb Berlins gemietet, und das in ein Studio verwandelt. Und wie habt ihr nun Euer neues Album aufgenommen? L&C: Wir haben ein Häuschen in Berlin, in Weißensee, gemietet. Es war das ehemalige Upstream Studio, wo wir unseren Produzenten Willem van Dijk kennengelernt haben, ohne diesen das Album ganz anders geworden wäre. Ihm haben wir sehr sehr viel zu verdanken. Vor allem was es bedeutet da zu sein, auf “Band” und was es bedeutet zuzuhören und sich einer Sache rücksichtslos hinzugeben. Wir waren aber auch in Katakomben einer ehemaligen Brauerei und haben unter einer GoKart-Bahn aufgenommen – ich bin mir nicht sicher ob man die Reifengeräusche, abgedämpft durch eine Betondecke, auf dem Album hört. Und letztlich waren wir noch auf Ouessant, einer Insel in der Bretagne. Dahin hat uns Yann Tiersen eingeladen, mit dem wir drei Stücke in seinem Haus aufgenommen haben. Das war ein sehr tiefer, inspirierender Ausgleich zu Berlin.Classen: es gab für mich ein ganz frühes „Berliner“ Konzert das ich immer noch in meinem Herzen trage. Es fand an einem Ort statt, der inzwischen nicht mehr existiert vor einem wild tanzenden Publikum. Dass wir diese Euphorie zusammen mit dem Publikum erzeugen konnten war für mich ein Schlüsselerlebnis.

 

ib: Ihr kennt euch seit ewig und habt jetzt so langer miteinander gespielt, ändert sich die Freundschaft, wenn man zusammen arbeitet? Verwickelt ihre Kreatives oder Arbeitsbeziehung zur einander in einer bestimmten Art? Macht Ihr Sachen, um den anderen zu überraschen oder so?

L&C: Ja, aber das ist privat. Ausserdem haben wir keine Ahnung wie es wäre, wenn wir uns nicht ewig kennen würden oder wenn wir nicht das machen würden, was wir machen und was wir machen wollen.

ib: Ist es geplant oder vorgesehen, solo Projekte zu machen, oder mit anderen Leute Projekte zum unternehmen?

L&C: Frauen scheinen in der nächsten Zukunft unser Arbeitsmittelpunkt zu sein. Wir arbeiten derzeit mit Miranda zusammen und produzieren ihr Debüt-Album. Sie ist begnadet. Wir begleiten sie auch gerne live, als ihre Band. Mit Laura Lopez Castro schreiben wir Theatermusik für ein Stück am Nationaltheater Weimar. Felix arbeitet derzeit mit der Choreographin Miriam Jakob zusammen.

 ib: Ihr haben jetzt auch ein Label gegründet, Osthafen.org, was war die Motivation? Hattet Ihr Probleme mit eurem letzten Label? Ist es geplant, auch andere Künstler unter dem Label zur veröffentlichen?

L&C: Nein, Probleme mit unserem vorherigen Label Matrosenblau hatten wir keine, das war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Für uns war es aber immer schon klar, dass wir früher oder später unser eigenes Ding machen wollen. Die Chance hat sich geboten und wir sind sehr glücklich, dass wir mit OSTHAFEN nun endlich wieder einen Ort geschaffen haben, an dem wir gemeinsam mit befreundeten Künstlern unsere Träume wahr werden lassen.

Im Herbst wird Mirandas Debut Album erscheinen. Wer mag, kann hier shcon mal eine Kostprobe hören: https://soundcloud.com/osthafen-records/miranda-danger

Interview Mia Morris und Noel Maurice / Fotos Michael Breyer