Du hast in der Schweiz, in Amerika und Deutschland gelebt. Was macht das besondere für dich an Berlin aus? Ich habe fast 5 Jahre lang als Schauspielerin in NYC gelebt und als ich Jahre später, nachdem ich wieder nach Zürich gezogen bin, das erste Mal nach Berlin kam, war es für mich wie das NYC in Europa. Viele Ecken in Berlin erinnern mich an NYC und es leben auch genauso viele Künstler hier. Ich fand es immer so wahnsinnig toll, in NYC in eine Bar zu gehen, und am Ende führt man ein Gespräch mit einem Musiker, einem Fotografen und einem Model, und alle tauschen ihre Erfahrungen aus. Sowas würde in Zürich nie passieren! Außerdem liebe ich es in einer Stadt mit so viel Geschichte zu leben. Mein Vater kommt aus Ostdeutschland, daher bin ich sozusagen wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Berlin vermittelt einem das Gefühl, es sei alles möglich, und das ist als Künstler sehr wichtig.

Gibt es in der burlesque etwas das typisch deutsch, typisch amerikanisch oder typisch schweizerisch ist? Nun Amerika ist sehr groß, daher gibt schon nur dort große Unterschiede von Stadt zu Stadt, jedoch ist generell in Amerika das sehr traditionelle „Bump´n´Grind Burlesque“ groß geschrieben, die meisten Legenden in Burlesque stammen ja auch aus Amerika, und viele Tänzerinnen verehren diese immer noch was sehr präsent in der Szene ist. In NYC gibt s jedoch auch viele experimentierfreudige und auch mehr Trash-Burlesque, gemixt mit Drag und Fetisch.

In der Schweiz ist auf jeden Fall das sehr klassische Burlesque beliebt wie Dita von Teese. Sie mögen das Spektakel, die großen Kostüme und Requisiten und das ganze immer sehr elegant und fein gehalten. Das typische Schweizer Publikum versteht auch das „Bump´n´Grind“ weniger, da dies meistens etwas zu „verrucht“ auf sie wirkt. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen!
In Berlin ist es unglaublich vielseitig. Ich denke hier findet so ziemlich jede Art von Burlesque und Kunst ein Publikum. Ich habe hier die klassischsten und wahnsinnigsten Burlesque Shows gesehen, so wie auch die trashigsten und aburdisten Burlesque/Performance Art Shows, so wie die lustigsten Kabarett/Burlesque Shows, so wie die wahnsinnigsten Zirkusshows, hier gibt es einfach alles. Ich denke dies ist jedoch sehr „Berlin“ und ich würde dies nicht als typisch Deutsch bezeichnen. Ich bin auch schon in anderen Deutschen Städten aufgetreten und da gibt es wieder große Unterschiede zu Berlin. Natürlich gibt es überall Ausnahmen!

Wenn du ein Assessoire aussuchen müsstest, das bezeichnend für Berlin wäre, welches würde das sein? Hmmm…schwierig. Ich habe eine Brosche von Miu Miu die ich mir zur ersten Fashion Week Berlin geleistet habe. Die trage ich heute noch im Winter fast täglich an einem Pelz und erinnert mich an meine Anfänge hier. Und einen kleinen Plüschpinguin von meinem ersten Berliner Zoo Besuch der mir mein Liebster geschenkt hat!!

Wie bist du zur Burlesque gekommen? Ich bin schon immer auf der Bühne gestanden. Mit 4 Jahren hat das ganze mit Ballett angefangen, nachdem ich viele Jahre im Opernhaus in Zürich getanzt habe, hat mich die Schauspielerei gefesselt, also ging ich mit 18 Jahren nach NYC um Schauspiel zu studieren und mehrere Jahre als Schauspielerin zu arbeiten. Dort habe ich meine ersten Burlesque Shows gesehen und war unglaublich fasziniert. Die Weiblichkeit und die Kombination von Tanz, Schauspiel und Verführung hat mich so sehr gepackt, dass ich sofort mit meinen eigenen Shows anfing. Und das mache ich bis heute!

Wie bist du zu deinem Namen Roxy Diamond gekommen? Der Name Roxy kommt vom Musical „Chicago“ von einem meiner Helden Bob Fosse. Diamond kommt ganz einfach von meiner Obsession nach Dingen die funkeln. Schon als Kind konnte ich nie irgendwo vorbeilaufen wo es glitzert, und das ist auch heute noch so 😉

Hast du Vorbilder? Lieblingstänzerinnen / -künstlerinnen? Ich habe viele Inspirationen aber keine direkten Vorbilder. Tänzerisch sind für mich die Tänzerinnen vom „Crazy Horse“ in Paris absolut perfekt. Es ist wahnsinnig was sie leisten. Eine riesen Inspiration sind auch die wahnsinnigen Visionen von den Ziegfeld Follies. Ich habe definitiv auch eine düstere Seite und die kommt von meiner Liebe zu David Lynch und Alfred Hitchcock, was auch schon manch eine Show von mir inspiriert hat. Falls ich aber eine aktuelle Burlesque Tänzerin wählen müsste die für mich wirklich inspirierend ist, dann definitiv Vicky Butterfly. Sie kreiert nicht nur eine Show, sondern eine ganze Atmosphäre was echt unglaublich ist. Aber praktisch jede Tänzerin mit der ich schon zusammenarbeiten durfte, inspiriert mich in irgendeiner Weise. Das ist ja das wahnsinnig tolle an diesem Job!

Die Burlesque umfasst und verbindet verschiedene „Diziplinen“, wie Tanz, Styling, Kostüme oder Musik. Was ist für dich der schönste Bereich? Es ist schwierig nur eines dieser Elemente auszusuchen, da es in meiner Meinung die Mischung all dieser „Disziplinen“ ist, die eine Show ausmacht. Was wäre schon eine wahnsinnig tolle Choreographie ohne ein Kostüm? Oder ein wahnsinniges Kostüm ohne die packende Musik? Es ist auf jeden Fall die ganze Mischung die es ausmacht. Am meisten Spaß jedoch macht natürlich das Kostüm, da man hier wieder wie ein kleines Mädchen träumen kann, und sieht dann wie alles langsam zusammen kommt. Und nichts ist zu viel oder zu groß oder zu viele Diamanten! Zu viel gibt es bei uns nicht! 😀

Hast du einen Ratschlag, wer Burlesque für sich ausprobieren sollte? Burlesque kann jeder ausprobieren, man braucht nur kreative Ideen, eine gute Prise Selbstironie und eine Freude am performen. Natürlich hilft es, wenn man einen Hintergrund in Tanz, Schauspiel oder Musik hat, dringend nötig ist es aber nicht. Man muss Spaß daran haben das Publikum zu verführen, auf welche Art auch immer, und sich sicher nicht allzu ernst nehmen.

Was würdest Du einer Performerin kurz vor ihrem ersten Auftritt mit auf den Weg geben? Hab Spaß, denk nicht zu viel und genieß jeden Augenblick auf dieser Bühne!!!

Hast Du eine Vision für die Berliner Burlesque Szene? Ich hab noch nie eine solche „Community“ gesehen wie in der Berliner Burlesque Szene! Es gibt regelmäßige treffen, bei denen sich Leute aus der Szene austauschen können, und generell erlebe ich hier wirklich eine große Unterstützung gegenüber einander. Ich würde mir wünschen, dass es mehr und schönere Auftritts-Möglichkeiten für all die wahnsinnigen Talente aus der Szene die hier wohnen gäbe, auch zu mehr angemessenen Gagen. Ein absoluter Traum wäre ein Burlesque Club/Theater, mit einer schönen Bühne, in dem wir regelmäßige Burlesque Abende organisieren könnten. Und ich denke das ist auch möglich…

Interview und Fotos: Mia Morris / funkyrotic art