Konrad Kinard hat eine lange und etwas wechselvolle Geschichte mit Berlin

Der multidisziplinäre Künstler und Lebenskünstler begann in Texas , wo er im Schatten von The Bomb aufwuchs. Er zog nach New York, wo er den Zeitgeist der Mitte der 80er Jahre erlebte, auftrat, Aufnahmen machte und mit einflussreichen Künstlern und Tanzgruppen zusammenarbeitete. Er befand sich in Paris Ende der 80er Jahre, und ließ sich in Berlin am Ende dieses turbulenten Jahrzehnts, wo er rechtzeitig ankam, um mitzuerleben, wie sich Berlin als der neue coole Ort etablierte, wo elektronische Musik im Vordergrund stand, und einen Club betrieb, Sexiland, in einem stillgelegten U-Bahnhof in Mitte, wo die Techno-DJs der damaligen Zeit nach ihren Auftritten im E-Werk und Tresor.

+++ Lesen Sie unser Interview mit Konrad Kinard aus dem Jahr 2011 +++

Ende der 90er Jahre zog Kinard nach London und gründete das Plattenlabel Incinerate Media mit Sitz in Brixton, wo er das Studio des ehemaligen Gitarristen von Duran Duran übernahm, mitten in den Drum’n’Bass-Tagen, als Brixton das Zentrum von allem war, was in London brummte.

Danach kehrte er nach Berlin zurück, wo er das Kunst- und Performancezentrum SIN leitete, wo die englische Stand-up-Comedy (der neue Rock’n’Roll, wie Kinard damals sagte) in Berlin ihren Anfang nahm. Dann ein Umzug nach Leeds, UK.

Kinard hat unermüdlich an seiner Kunst gearbeitet und unermüdlich in sich selbst gegraben, um herauszufinden, wo der rote Faden von all dem begann, wie er zu dem wurde, was er war.

Lieber tot als rot

Kinards Aufwachsen in Texas in den späten Jahren des Kalten Krieges hatte, wie er feststellte, eine verheerende Wirkung auf ihn. „Better Dead Than Red“ (Besser tot als rot) war damals sowohl ein klarer Aufruf als auch der Name einer seiner Singles aus seinem letzten Werk, dem Album und Performance-Stück Masters of War.

Er erzählt von seinem Vater, der einen Atombunker baute und seinem Sohn erklärte, dass Konrads Freunde aus der Nachbarschaft im nuklearen Winter draußen bleiben würden, sobald sie sich eingeschlossen hätten. Die Tür würde sich nicht für sie öffnen.

Die Straße hinunter befand sich die Militärbasis, von der aus der US-Präsident den Dritten Weltkrieg führen würde, nachdem Washington unbewohnbar geworden war. Konrads Vater wäre der Arzt des Präsidenten, wenn es dazu käme.

eine lebenslange Besessenheit von der Wahrnehmung, der Suche und dem Versuch, Amerika zu verstehen

All dies führte zu einer lebenslangen Besessenheit, Amerika wahrzunehmen, zu finden und zu verstehen zu versuchen. Deshalb sind selbst die Lieder, die er vor langer Zeit über diese Zeit und diesen Ort geschrieben hat, so vorausschauend und unmittelbar und auf die heutige Welt, die heutige Gesellschaft, die heutigen Vereinigten Staaten ausgerichtet wie nichts anderes.

Masters of War wurde als Album aufgenommen, war aber als Performance-Stück konzipiert. Ein Stück, das er mit einer Reihe von beeindruckenden Musikern in alten Kirchen und Galerieräumen im Vereinigten Königreich aufführte.

vorausschauend, unmittelbar und konzentriert

Am 6. November bringt Konrad Kinard sein nächstes Werk, das Musik- und Performancestück War is Family, nach Berlin, in die Kremers Galerie in Kreuzberg.

Berlin hat für ihn immer eine zentrale Faszination ausgeübt. Sie war gewissermaßen das Zentrum dieses ganzen Kalten Krieges. Und es war der Ort, an dem vielleicht das neue Europa aus den Trümmern des gescheiterten Staates DDR geboren wurde. Es war immer der Ort, zu dem es ihn zurückzog.

Deshalb ist es besonders passend, seine Show War is Family in die Stadt zu bringen, in der sie am meisten Sinn macht.

Konrad Kinard führt am 6. November in der Galerie Kremers in Berlin sein Performance-Musikstück War is Family auf.

Konrad Kinard hat mit/für The Woodentops, La La LA Human Steps, Slash Orchestra, Rhy Chatham, Me Wee Beasty, EIEI Oh!, Sonicvariable, Zero Ping, Arthur Russel, Karole Armitage und verschiedenen experimentellen Theater- und Tanzstücken gespielt und/oder geschrieben.

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