Immer wieder wird die Faust in die Luft gestreckt, kräftig geklatscht und mit dem Kopf genickt. Eine solch großartige Liveband mit vier tollen Alben in Folge sieht man selten und muss weiterhin unterstützt, sogar geliebt werden.

An diesem Sonntag zeigt sich Berlin von seiner kühlen Seite. Der Frühling ist scheinbar doch noch nicht in Sicht. Der ganze Tag ist verregnet und durch die Straßen weht den ganzen Tag ein kräftiger Wind.

Das hält einen aber nicht davon ab nach Kreuzberg zu fahren, denn heute wird gerockt! Spidergawd aus Norwegen sind auf Europatour und machen heute im charaktervollen Lido halt. Gegen 20:30 Uhr betrete ich die Halle und bekomme einen kurzen Schreck – der Saal ist noch ziemlich leer.

Ekelhaftes Wetter, fabelhafte Musik

Mein Erschrecken dauert nicht lange und bis 21h füllt sich das Lido mit weiteren Musikliebhabern und als der Supportact Woodland die Bühne betritt ist der Raum angenehm voll. Die fünf Jungen kommen auch aus Norwegen und sind auf dem gleichen Label wie Spidergawd, Crispin Glover Records. Sie teilen auch einen Musiker, nämlich den Bassist Hallvard Gaardløs. Wer genau hinschaut, der kann ihn heute auch bei Woodland am Kontrabass erleben.


Die Support-Band beschreibt Ihre Musik selbst als „Dirty and right-in-the-face-music“ und sie bringt eine tolle Mischung aus amerikanischen Delta-Blues und klassischem Rock´n´Roll durch ihr zweites Album Go Nowhere. Sie erinnern einen sehr an Jack White und seine Soloalben bzw. auch an die White Stripes. Gerade der Gesang vom Frontmann Gisle Solbu ist dem von Jack White sehr ähnlich.

Sehenswürdige Schlagzeug(er)

In der kurzen Umbauphase das riesige Schlagzeug von Spidergawd wird zu dritt in die Mitte der Bühne gezogen und steht damit im Mittelpunkt des Geschehens. Gegen 21:45 Uhr wird es von den vier Musikern begleitet und schon mit dem ersten Song kann die Rockshow losgehen!

Von Empty Rooms zu Get Physical, von What Have You Become zu Is all She Says, geboten wird ein toller Querschnitt der bisherigen vier Alben. Auch wenn es manchmal leicht psychedelisch wird und es einige jazzige Momente gibt, kommt der Rock natürlich nicht zu kurz und AC/DC, Thin Lizzy und auch sicherlich Motorpsycho lassen grüßen.

Es ist aber auch eine wahre Freude Kenneth Kapstad am Schlagzeug beim spielen zuzuschauen. Ein obersympathischer Schlagzeuger mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht und immer hochkonzentriert bei der Arbeit. Aber wo nimmt dieser schlaksige Mann nur diese Energie her?

Musik, die mitreisst

Obwohl das Schlagzeug im Mittelpunkt steht, sind auch die anderen drei Musiker gleichberechtigt. Per Borten ist zwar der Hauptsänger der Band, aber Hallvard Gaardløs und Rolf Martin Snustad übernehmen gerne den Gesang. Außerdem bekommen Rolf am Saxophon und Hallvard am Bass immer wieder genug Freiraum für Ihre Instrumente und nutzen diesen für kleine Solos.

Die Leidenschaft für die Musik und die Lust am spielen sieht man allen Musikern an und das überträgt sich auch schnell auf das Publikum. Immer wieder wird die Faust in die Luft gestreckt, kräftig geklatscht und mit dem Kopf genickt.

Das Publikum um mich herum ist heute größtenteils männlich, trinkt auch gerne mal ein Bier und deshalb wird sich freundschaftlich zugeprostet und ein Song wird sogar auf deutsch angezählt.

Is this love? – JA!

Nach 90 Minuten ist der erste Song der neuen Platte auch der letzte Song des Abends. Die Frage „..Is This Love?“ muss weiterhin mit einem klaren „YES“ beantwortet werden! Eine solch großartige Liveband mit vier tollen Alben in Folge sieht man selten und muss weiterhin unterstützt und, ja genau, geliebt werden.

Das Berliner Publikum sieht das genauso und verabschiedet Spidergawd unter großem Jubel. Mit einem Lächeln im Gesicht – und einem leichten Piepen im Ohr – begebe auch ich mich in die immer noch kalte und windige Berliner Nacht und freue mich über einen rundum gelungenen Konzertabend. Tusen takk, Spidergawd!