Deutsche Musik ist unsexy, steif und unlustig.

Deutsche Musiker nehmen sich so tierisch Ernst und deutsche Texte klingen irgendwie immer, als hätte der Autor endlich seine emotionalen Presshemmungen überwunden. Abgeschmackte Metaphorik drischt sich mit Schmalz und verkrustet am Becherrand des überkandidelt harmonischen Tongerinnsels.

Da bekommt man normalerweise vom Zuhören schon Hämorriden

Das zumindest waren meine Gedanken, als mich unsere österreichischen Musikgenossen auf überwältigendste Art mit ihrer spritzig-frischen Show und Musik auf der Bühne in der Columbiahalle überraschten, begeisterten, mitrissen und durch den Abend beleiteten. Und das mit einem Genre, in dem man sonst im deutschsprachigen Raum nur Bands findet, die live irgendwie nach den FreakyFukinWeirdozoder unterirdisch peinlich klingen.

Okay. Bei Bilderbuch ist man von den Alben einiges gutes gewohnt

Aber live punkten die Bilderbücher nicht nur mit dem brillanten Zusammenspiel der Band und einer gnadenlos lockeren Professionalität. Da fängt Maurice Ernst auch mal einen aus dem Publikum auf die Bühne geworfenen Plastikbecher und baut ihn in seine Performance ein.

Es ist das Gesamtpaket aus Show, Wiener Lässigkeit, einer Ironie, deren Komplexität an sich schon wieder ironisch ist und einer ganzen Portion selbstironischer Momente eingebettet in ein Fundament aus fantastischen Songs mit unglaublich brillanten Texten, die die Sache richtig fett macht.

Als Sahnehäubchen sang Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks bei Plansch mit

Fazit des Abends: mit Entertainment braucht man keine Drogen. Es bleibt die Frage, wie man diesen musikalischen Höhepunkt jemals toppen kann. Klar ist, dass Bilderbuch viel Platz nach unten hat. Alles klar, Herr Kommissar?

Review: Christian Vesterling, Bild: Nico Ostermann